Fichte (Picea): Bestimmung, Arten, Vorkommen in Tschechien und Anbau
Wissenschaftlicher Name: Picea
Die Fichte (Picea) ist eine Gattung von Nadelbäumen aus der Familie der Kieferngewächse mit etwa 35–40 Arten auf der Nordhalbkugel. In Tschechien ist nur die Gemeine Fichte (Picea abies) heimisch, die heute rund die Hälfte der Wälder bildet.

Dieser Artikel wurde aus dem Tschechischen übersetzt. Čeština
Die Fichte (Picea) ist eine Gattung immergrüner Nadelbäume aus der Familie der Kieferngewächse (Pinaceae) mit etwa 35–40 Arten, die in der gemäßigten und kalten Zone der Nordhalbkugel verbreitet sind. In Tschechien ist nur eine einzige Art heimisch, die Gemeine Fichte (Picea abies). Dank der Forstwirtschaft nimmt sie rund die Hälfte der Waldfläche ein und ist die wirtschaftlich bedeutendste Baumart des Landes. Erkennbar ist sie an den hängenden Zapfen, die als Ganzes abfallen, und an den rauen Zweigen mit kleinen Stielchen der abgefallenen Nadeln.
Die Gemeine Fichte im Überblick
| Wissenschaftlicher Name | Picea abies (L.) H. Karst. (veraltet Picea excelsa) |
|---|---|
| Familie | Kieferngewächse (Pinaceae) |
| Höhe | meist 30–40 m, ausnahmsweise über 50 m |
| Alter | gewöhnlich 200–300 Jahre, selten bis 400–500 Jahre |
| Nadeln | 1–2,5 cm, vierkantig, steif, spitz, einzeln auf verholzten Nadelkissen |
| Blütezeit | Mai–Juni, einhäusig, windbestäubt |
| Frucht | hängender, walzenförmiger Zapfen von 10–16 cm, reift im Herbst des ersten Jahres, fällt als Ganzes ab |
| Vorkommen in Tschechien | natürlich in Gebirgen, vernässten Lagen und Kälteinversionslagen; fast überall angepflanzt |
| Schutzstatus | weder geschützt noch gefährdet |
So erkennen Sie die Fichte
Die Fichte gehört zu den Nadelbäumen mit regelmäßiger, schmal kegelförmiger Krone und durchgehendem Stamm. Die Äste wachsen in Quirlen – jedes Jahr ein Stockwerk, sodass sich das Alter junger Bäume anhand der Quirle grob schätzen lässt.
Nadeln
Die Nadeln der Gemeinen Fichte sind vierkantig (im Querschnitt rhombisch), steif und stechend, mit hellen Spaltöffnungsstreifen auf allen vier Seiten. Sie stehen einzeln schraubig um den Zweig und sitzen auf kleinen verholzten Erhebungen, den sogenannten Nadelkissen (Sterigmen). Nach dem Nadelfall bleiben diese Stielchen am Zweig zurück, der sich dann rau wie eine Reibe anfühlt – das zuverlässigste Bestimmungsmerkmal. Einige fremdländische Arten, etwa die Serbische Fichte oder die Sitka-Fichte, haben abgeflachte Nadeln. Jede Nadel besitzt ein einziges Leitbündel und bleibt meist 5–7 Jahre am Baum, im Gebirge auch länger.
Zapfen
Fichtenzapfen hängen immer nach unten und fallen nach dem Samenausfall als Ganzes ab. Sie bestehen aus verholzten, schraubig angeordneten Schuppen. Bei der Gemeinen Fichte sind sie 10–16 cm lang, zunächst grün oder purpurn, reif braun. Unter Fichten findet man daher ganze Zapfen, oft von Eichhörnchen abgenagt oder von Fichtenkreuzschnäbeln bearbeitet.
Rinde und Blüten
Die Rinde ist anfangs dünn und rotbraun, später graubraun und blättert in dünnen, rundlichen Schuppen ab. Die Fichte ist einhäusig: Die männlichen Blütenzapfen sind erdbeerrot bis gelb und stäuben im Mai, die weiblichen stehen zunächst aufrecht, sind auffallend karminrot und neigen sich erst nach der Bestäubung nach unten.
Fichte oder Tanne?
Am häufigsten wird die Fichte mit der Tanne verwechselt. Die Unterschiede im Überblick:
| Merkmal | Fichte | Tanne |
|---|---|---|
| Nadeln | vierkantig, stechend, rund um den Zweig | flach, stumpf, unterseits mit zwei weißen Streifen, oft zweizeilig |
| Zweig nach dem Nadelfall | rau, mit Stielchen | glatt, mit runden Narben |
| Zapfen | hängend, fallen als Ganzes ab | aufrecht, zerfallen am Baum |
| Rinde | rotbraun, schuppig | grauweiß, lange glatt |
Von Kiefer und Lärche unterscheiden Sie die Fichte sicher daran, dass ihre Nadeln nicht in Büscheln, sondern einzeln wachsen.
Fichtenarten in Tschechien
Heimisch ist nur die Gemeine Fichte. In Parks, Gärten, Zierpflanzungen und Forstkulturen begegnet man jedoch zahlreichen fremdländischen Arten:
- Stech-Fichte (Picea pungens) – aus den Rocky Mountains der USA; sehr harte, scharf stechende Nadeln, bei Sorten der Glauca-Gruppe auffallend silberblau. Häufig in Wohnsiedlungen und Gärten gepflanzt, früher auch als Ersatzbaumart im immissionsgeschädigten Erzgebirge.
- Serbische Fichte (Picea omorika) – Balkan-Endemit aus dem Einzugsgebiet der Drina; sehr schlanke, säulenförmige Krone und flache Nadeln mit zwei weißen Streifen. Verträgt Luftverschmutzung gut und ist in Städten beliebt.
- Weiß-Fichte (Picea glauca) – aus Nordamerika; vor allem als Zwergsorte 'Conica' (Zuckerhutfichte) mit dichter, kegelförmiger Krone bekannt.
- Orient-Fichte (Picea orientalis) – aus dem Kaukasus und dem Nordosten der Türkei; die kürzesten Nadeln aller Fichten (6–10 mm), glänzend und stumpf.
- Sitka-Fichte (Picea sitchensis) – von der Pazifikküste Nordamerikas; die größte Fichte der Welt (über 90 m), in Tschechien nur selten, braucht feuchtes Klima.
- Engelmann-Fichte (Picea engelmannii) und Schwarz-Fichte (Picea mariana) – eher in Arboreten und Sammlungen.
Von der Gemeinen Fichte gibt es zudem viele Gartensorten: die kugelige Nestfichte 'Nidiformis', die hängende 'Inversa', 'Acrocona' mit Zapfen schon an jungen Pflanzen oder die zwergige 'Little Gem'.
Verbreitung und Ökologie
Die Gemeine Fichte ist natürlich in Nord- und Mitteleuropa verbreitet, von Skandinavien über Karpaten und Alpen bis zum Balkan. In Tschechien bildet sie natürliche Fichtenwälder vor allem in den höchsten Gebirgslagen – im Böhmerwald (Šumava), im Riesengebirge (Krkonoše), im Altvatergebirge (Hrubý Jeseník), am Glatzer Schneeberg (Králický Sněžník) und in den Beskiden, etwa oberhalb von 1100–1200 m ü. NN, wo sie die obere Waldgrenze bildet. Kleinere natürliche Bestände wachsen auch auf Mooren, in vernässten Senken und in kühlen Inversionsschluchten, etwa in den Sandsteinklammen der Böhmischen Schweiz.
In tieferen Lagen war die Fichte ursprünglich nur Beimischung in montanen Tannen-Buchenwäldern mit Buche und Tanne. Ihr natürlicher Anteil an den Wäldern wird auf nur etwa 11 % geschätzt. Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts wurde sie jedoch wegen ihres schnellen Wachstums, der einfachen Kultur und des hochwertigen Holzes in gleichaltrigen Monokulturen auch im Hügelland und Tiefland gepflanzt, sodass sie heute rund die Hälfte der Wälder ausmacht.
Trockenheit und Borkenkäfer
Die Fichte hat ein flaches, tellerförmiges Wurzelsystem und braucht ein feuchtes, kühles Klima mit Jahresniederschlägen über etwa 700 mm. In wärmeren Lagen ist sie daher anfällig für Trockenheit und Windwurf. Geschwächte Bäume befällt der Buchdrucker (Ips typographus), dessen Massenvermehrung nach den Dürrejahren 2015–2020 die größte Borkenkäferkalamität in der Geschichte der tschechischen Forstwirtschaft auslöste, vor allem im Böhmisch-Mährischen Hochland (Vysočina), in Mähren und in Mittelböhmen. Förster bauen Fichtenmonokulturen in tieferen Lagen deshalb zu Mischwäldern mit Buche, Tanne, Eiche und weiteren Baumarten um.
Ökologisch ist die Fichte für viele Tiere wichtig: Ihre Samen fressen Fichtenkreuzschnabel, Eichhörnchen und Spechte, montane Fichtenwälder sind Lebensraum von Auerhuhn, Sperlingskauz und Dreizehenspecht. In ihrer Streu leben zahlreiche spezialisierte Pilze, etwa der Fichten-Steinpilz.
Holz und Verwendung
Fichtenholz ist weich, leicht (Dichte etwa 430–470 kg/m³), hell bis gelblich-weiß, mit glänzender Oberfläche und kaum sichtbarem Unterschied zwischen Splint und Kern. Es lässt sich leicht bearbeiten, gut verleimen und ist im Verhältnis zu seinem Gewicht sehr fest. Verwendet wird es:
- im Bauwesen für Dachstühle, Balken, Bretter, Brettschichtholz und Holzhäuser,
- im Möbelbau, für Verpackungen und Paletten,
- zur Herstellung von Zellstoff, Papier, Span- und Faserplatten,
- als Klangholz für Resonanzböden von Geigen, Gitarren und Klavieren – am wertvollsten ist langsam gewachsenes Gebirgsholz mit engen, gleichmäßigen Jahresringen, wie es etwa der Böhmerwald und das Riesengebirge liefern,
- als Weihnachtsbaum und für Schnittgrün.
Aus dem Harz wurden früher Kolophonium und Terpentin gewonnen, aus der Rinde Gerbstoffe für die Gerberei. Junge Triebe werden in der Volksmedizin für Hustensirup verwendet.
Fichten im Garten
Standort und Boden
Fichten mögen Sonne bis Halbschatten, Luftfeuchtigkeit und frischen, leicht sauren bis neutralen Boden. Längere Trockenheit, Hitze und verdichteten Boden vertragen sie nicht. Für warme Tieflagen und kleinere Gärten eignen sich die robustere Serbische Fichte oder die Stech-Fichte besser als die Gemeine Fichte, die ausgewachsen zu groß für die Nähe von Häusern wird – flache Wurzeln und eine große Krone machen sie bei Stürmen zum Risiko.
Pflanzung und Pflege
- Pflanzen Sie im Frühjahr oder Frühherbst, am besten Ballen- oder Containerware.
- Heben Sie das Pflanzloch etwa doppelt so breit wie den Ballen aus und setzen Sie den Baum nicht tiefer, als er zuvor stand.
- In den ersten Jahren und bei Trockenheit seltener, aber durchdringend gießen; eine Mulchschicht aus Rinde oder Nadeln tut gut.
- Ein Schnitt ist nicht nötig; Fichtenhecken können Ende Juni geschnitten werden. Die Fichte treibt aus altem Holz nicht wieder aus, kürzen Sie Äste daher nie bis in den kahlen Bereich zurück.
- Zwergsorten wie 'Conica' im Vorfrühling vor direkter Sonne und Frost schützen, die Nadelbräune verursachen.
Krankheiten und Schädlinge
Im Garten tritt am häufigsten die Sitkafichtenlaus (Elatobium abietinum) auf, die nach milden Wintern Vergilben und Abfallen älterer Nadeln verursacht, vor allem bei der Stech-Fichte. An den Trieben bilden Fichtengallenläuse (Gattungen Adelges, Sacchiphantes) zapfenartige Gallen. Bei Trockenheit vermehrt sich die Nadelholz-Spinnmilbe. Wurzeln und Stamm werden von Hallimasch und Wurzelschwamm befallen, die Fäule verursachen. Die beste Vorbeugung sind ein geeigneter Standort und ausreichend Feuchtigkeit.
Wissenswertes und kulturelle Bedeutung
- Im schwedischen Fulufjället wächst eine Fichte namens Old Tjikko. Der sichtbare Stamm ist jung, doch ihr Wurzelsystem erneuert sich klonal seit rund 9.500 Jahren – damit zählt sie zu den ältesten bekannten Organismen.
- Das tschechische Beiwort „ztepilý“ bedeutet schlank und hochgewachsen. Der ältere wissenschaftliche Name Picea excelsa (die Erhabene) wurde durch den gültigen Namen Picea abies ersetzt.
- Die Fichte ist der häufigste Weihnachtsbaum in Tschechien und seit dem 19. Jahrhundert ein Weihnachtssymbol in Mitteleuropa.
- Anhand der Jahresringe von Gebirgsfichten rekonstruieren Forscher das Klima vergangener Jahrhunderte.
- Im Böhmerwald werden vom Borkenkäfer befallene Bestände in den Kernzonen der natürlichen Entwicklung überlassen; heute verjüngt sich dort auf natürliche Weise ein neuer, vielfältigerer Wald.
Fazit
Die Fichte ist eine Gattung mit etwa 35–40 Nadelbaumarten, in Tschechien vertreten durch eine einzige heimische Art – die Gemeine Fichte. Sicher erkennen Sie sie an den vierkantigen, stechenden Nadeln auf Stielchen und an den hängenden Zapfen, die als Ganzes abfallen. Sie ist eine Schlüsselbaumart der Bergwälder und die wichtigste Holzquelle, zugleich aber Sinnbild für den notwendigen Umbau von Monokulturen zu vielfältigeren Mischwäldern, die Trockenheit und Borkenkäfer besser standhalten.
Häufige Fragen
Wie unterscheidet man Fichte und Tanne?
Die Fichte hat vierkantige, stechende Nadeln auf verholzten Stielchen und hängende Zapfen, die als Ganzes abfallen. Die Tanne hat flache, stumpfe Nadeln mit weißen Streifen auf der Unterseite und aufrechte Zapfen, die direkt am Baum zerfallen.
Wie hoch und wie alt kann die Gemeine Fichte werden?
Die Gemeine Fichte wird meist 30–40 Meter hoch, ausnahmsweise über 50 Meter. Sie erreicht gewöhnlich 200–300 Jahre, selten bis etwa 500 Jahre.
Wie viele Fichtenarten wachsen in Tschechien?
Heimisch ist nur die Gemeine Fichte (Picea abies). Gepflanzt werden aber auch fremdländische Arten, am häufigsten Stech-Fichte, Serbische Fichte, Weiß-Fichte und Orient-Fichte.
Warum sterben in Tschechien so viele Fichten ab?
Die Fichte wurde massenhaft auch in warmen, trockenen tieferen Lagen gepflanzt, deren Klima ihr nicht zusagt. Durch Trockenheit geschwächte Bäume befällt dann der Buchdrucker massenhaft, was zu einer großflächigen Borkenkäferkalamität führte.
Wofür wird Fichtenholz verwendet?
Fichtenholz ist leicht, weich und fest und wird daher im Bauwesen, für Möbel, Papier und Holzwerkstoffplatten genutzt. Hochwertiges Gebirgsholz dient als Klangholz für Geigen, Gitarren und Klaviere.
Eignet sich die Fichte für den Garten?
Die Gemeine Fichte wird sehr groß und wurzelt flach, daher passt sie nicht in kleinere Gärten. Besser sind Zwergsorten oder die robustere Serbische Fichte und Stech-Fichte.


