Tanne (Abies): Bestimmung, Arten in Tschechien, Ökologie und Anbau
Wissenschaftlicher Name: Abies
Tannen (Abies) sind Nadelbäume aus der Familie der Kieferngewächse mit flachen Nadeln und aufrechten Zapfen, die direkt am Baum zerfallen. In Tschechien ist nur die Weißtanne heimisch – heute eine Schlüsselbaumart für den Umbau zu widerstandsfähigeren Wäldern.

Dieser Artikel wurde aus dem Tschechischen übersetzt. Čeština
Die Tanne (Abies) ist eine Gattung immergrüner Nadelbäume aus der Familie der Kieferngewächse (Pinaceae) mit rund 50 Arten, die in Gebirgen und kühleren Regionen der Nordhalbkugel verbreitet sind. Man erkennt sie an den flachen Nadeln mit weißlichen Streifen auf der Unterseite und an den Zapfen, die aufrecht auf den Zweigen stehen und am Baum zerfallen. In Tschechien ist nur eine Art heimisch, die Weißtanne (Abies alba). Sie stellte einst etwa ein Fünftel unserer Wälder und kehrt heute als stabilisierende Baumart dorthin zurück.
Die Tanne im Überblick
| Wissenschaftlicher Name | Abies Mill. (in Tschechien heimisch: Abies alba Mill.) |
|---|---|
| Familie | Kieferngewächse (Pinaceae) |
| Artenzahl | je nach Auffassung etwa 45–55 |
| Höhe | Weißtanne meist 30–50 m, ausnahmsweise über 50 m; nordamerikanische Arten bis 70–80 m |
| Alter | Weißtanne meist 300–500 Jahre, ausnahmsweise um 600 Jahre |
| Nadeln | flach, einzeln, an der Spitze meist eingekerbt, unterseits mit zwei weißlichen Spaltöffnungsstreifen |
| Blütezeit | April–Mai, der Baum ist einhäusig |
| Früchte | aufrechte Zapfen, reifen im September bis Oktober desselben Jahres und zerfallen am Baum |
| Vorkommen in Tschechien | Mischwälder im Hügel- und Bergland, meist 400–1000 m ü. NN, mit Buche und Fichte |
| Schutz | nicht gesetzlich geschützt, ihr Waldanteil ist jedoch drastisch gesunken; forstlich wird sie gefördert |
Herkunft und Verbreitung der Gattung
Tannen stammen nicht, wie mitunter behauptet, aus Nordamerika. Die Gattung ist natürlich über die gemäßigte und boreale Zone der Nordhalbkugel verbreitet: in Europa, Nordafrika, im Kaukasus, in Asien (die meisten Arten wachsen in China und Japan) sowie in Nord- und Mittelamerika. In wärmeren Regionen wie dem Mittelmeerraum oder Mexiko steigen Tannen ins Gebirge auf, wo es genug Feuchtigkeit und ein kühleres Klima gibt. Viele Arten haben kleine, inselartige Areale – typischerweise Reliktpopulationen im Gebirge aus der Zeit nach der letzten Eiszeit.
So erkennt man die Tanne
Die Tanne wird am häufigsten mit der Fichte verwechselt. Anhand einiger Merkmale lassen sich beide jedoch sicher unterscheiden:
- Nadeln sind flach, weich und stechen nicht; an der Spitze sind sie meist flach eingekerbt. Auf der Unterseite tragen sie zwei weißliche Streifen aus Reihen von Spaltöffnungen. An Seitenzweigen sind sie meist kammförmig zweizeilig angeordnet, an Gipfeltrieben eher schraubig.
- Nadelnarbe: Die Nadel sitzt mit einem verbreiterten, saugnapfartigen Fuß an. Fällt sie ab, bleibt am Zweig eine glatte, runde Narbe zurück, während bei der Fichte holzige Nadelkissen hervorstehen und der Zweig rau ist.
- Zapfen stehen an den oberen Ästen aufrecht und hängen nie. Nach der Reife lösen sich die Schuppen samt Samen, am Ast bleibt nur die kahle Spindel. Einen ganzen Tannenzapfen findet man unter dem Baum daher so gut wie nie.
- Rinde: Bei der Weißtanne bleibt sie lange glatt und hellgrau – daher der Name. Junge Rinde trägt Harzbeulen. Im Alter reißt sie in kleine Schuppen auf.
- Krone: In der Jugend regelmäßig kegelförmig mit quirlständigen Ästen. Bei alten Weißtannen stellt der Leittrieb das Wachstum ein, der Wipfel flacht ab und es entsteht das typische Storchennest.
| Merkmal | Tanne | Fichte |
|---|---|---|
| Nadelform | flach, eingekerbte Spitze | vierkantig, scharf zugespitzt |
| Nadelunterseite | zwei weißliche Streifen | rundum grün |
| Narbe am Zweig | glatt, rund | hervorstehende Nadelkissen |
| Zapfen | aufrecht, zerfallen am Baum | hängend, fallen ganz ab |
| Rinde | hellgrau, glatt | rotbraun, schuppig |
Tannen in Tschechien
Weißtanne (Abies alba)
Die einzige heimische Tanne unserer Natur. Sie wird 30–50 m hoch, ihr Stamm kann über 1,5 m Durchmesser erreichen. Die Nadeln sind 1,5–3 cm lang und glänzend dunkelgrün. Die Zapfen messen 10–16 cm und haben herausragende, nach unten gebogene Deckschuppen. Die mächtigsten Tannen Tschechiens stehen in urwaldartigen Reservaten wie dem Žofínský prales (Gratzener Bergland), dem Boubínský prales (Böhmerwald) oder dem Mionší in den Beskiden.
Nicht heimische Tannen in Wäldern und Parks
- Küstentanne (Abies grandis) stammt aus dem pazifischen Nordwesten der USA und Kanadas. Wegen ihres raschen Wuchses wird sie forstlich und in Parks gepflanzt. Ihre Nadeln duften nach Zitrus und sind deutlich zweizeilig und unterschiedlich lang.
- Coloradotanne (Abies concolor) aus dem Westen der USA ist die häufigste Tanne in Gärten und Wohnsiedlungen. Sie hat lange (4–7 cm), graublau bereifte Nadeln und verträgt Trockenheit und Stadtklima sehr gut.
- Nordmanntanne (Abies nordmanniana) ist ein beliebter Weihnachtsbaum mit dunkelgrünen, lange haftenden Nadeln.
- Koreatanne (Abies koreana) ist eine langsamwüchsige Art für kleinere Gärten. Sie fruchtet schon in jungen Jahren, ihre Zapfen sind auffallend violettblau.
- Balsamtanne (Abies balsamea) aus dem Nordosten Nordamerikas sowie Edeltanne (A. procera), Nikkotanne (A. homolepis) oder Spanische Tanne (A. pinsapo) werden vor allem in Arboreten und Sammlungen kultiviert.
Ökologie und Bedeutung im Wald
Die Weißtanne ist neben der Eibe die schattenverträglichste Baumart unserer Wälder. Ihre Sämlinge können jahrzehntelang im tiefen Schatten überdauern und nach Auflichtung rasch emporwachsen. Typisch sind Mischbestände mit Buche und Fichte, sogenannte Tannen-Buchenwälder, die ohne menschliches Zutun große Teile des Hügel- und Vorgebirgslandes bedecken würden.
Die Tanne bildet eine tiefe Pfahlwurzel und ist dadurch weit sturmfester als die flach wurzelnde Fichte; zudem erschließt sie Wasser aus tieferen Bodenschichten. Ihre Nadelstreu ist weniger sauer als die der Fichte und verbessert den Boden. Sie braucht allerdings eine höhere Luftfeuchtigkeit, verträgt keine Kahlflächen, und Spätfröste schädigen junge Pflanzen.
Warum die Tanne aus unseren Wäldern verschwand
In der natürlichen Waldzusammensetzung Tschechiens machte die Tanne schätzungsweise rund 20 % aus, heute sind es nur etwa 1 %. Zum Rückgang trugen mehrere Faktoren bei:
- Kahlschlagwirtschaft und die Bevorzugung schnellwüchsiger Fichtenmonokulturen,
- hohe Schalenwildbestände, die Tannensämlinge und Leittriebe bevorzugt verbeißen,
- Luftverschmutzung durch Schwefeldioxid im 20. Jahrhundert, auf die die Tanne äußerst empfindlich reagiert,
- geringere genetische Vielfalt mitteleuropäischer Populationen und Empfindlichkeit gegenüber plötzlichen Umweltveränderungen.
Seit sich die Luftqualität ab den 1990er-Jahren verbessert hat, geht es den Tannen deutlich besser. Angesichts der Borkenkäferkalamität und der Dürre ist die Weißtanne heute eine der wichtigsten Baumarten, die Förster beim Umbau von Fichtenmonokulturen in Mischwälder pflanzen.
Holz und Verwendung
Tannenholz ist weich und leicht (Dichte etwa 450 kg/m³ im trockenen Zustand), hell und ohne deutlichen Unterschied zwischen Kern- und Splintholz. Anders als Fichte, Kiefer oder Lärche besitzt es normalerweise keine Harzkanäle und ist daher harzfrei. Harz sammelt sich nur in Beulen in der Rinde.
- Bau und Tischlerei: Dachstühle, Verkleidungen, Möbel, Schindeln.
- Wasserbau: Dauerhaft unter Wasser liegendes Tannenholz ist sehr beständig und wurde deshalb für Pfähle, Mühlräder und Wasserrinnen verwendet.
- Musikinstrumente: Resonanzdecken, wobei hier häufiger Fichte zum Einsatz kommt.
- Zellstoff und Papier.
- Kanadabalsam: Das Harz der Balsamtanne diente als Kitt für optische Linsen und als Einbettungsmittel für mikroskopische Präparate, da sein Brechungsindex dem von Glas ähnelt. Heute ist es weitgehend durch Kunstharze ersetzt.
- Weihnachtsbäume: Tannen halten ihre Nadeln in warmen Wohnräumen deutlich länger als Fichten.
Tannen im Garten
Artenwahl
Für normale Gärten eignen sich am besten die Koreatanne (langsamwüchsig, 5–10 m) und die Coloradotanne (trockenheitsresistent, aber 20–30 m hoch). Weiß- und Nordmanntanne gehören eher in große Gärten und Parks. Zudem gibt es zahlreiche Zwergsorten für Steingärten.
Standort und Boden
- Licht: Halbschatten bis Sonne. Junge Pflanzen sind für Schutz vor greller Mittagssonne und eisigem Wind dankbar.
- Boden: tiefgründig, frisch, gut durchlässig, schwach sauer bis neutral. Verdichtete und dauerhaft staunasse Böden werden nicht vertragen.
- Luft: Die meisten Arten brauchen höhere Luftfeuchtigkeit; in abgasbelasteten Städten bewährt sich die Coloradotanne am besten.
Pflanzung und Pflege
Pflanzen Sie Tannen mit Wurzelballen oder aus dem Container im Frühjahr oder Frühherbst. Tannen haben eine Pfahlwurzel und vertragen das Verpflanzen älterer Bäume schlecht, daher setzt man besser jüngere Pflanzen. In den ersten Jahren regelmäßig gießen und den Wurzelbereich mit Rindenmulch oder Nadelstreu abdecken. Ein Schnitt ist meist nicht nötig; kürzen Sie niemals den Leittrieb, sonst verliert der Baum seine typische Form. Wird der Wipfel durch Frost oder Wild beschädigt, kann man einen Seitentrieb senkrecht aufbinden und so einen neuen Leittrieb ziehen.
Schädlinge und Krankheiten
- Tannentrieblaus und Tannenstammlaus (Gattung Dreyfusia) bilden an Stamm und Trieben weiße Wachsflocken und schwächen vor allem junge Bäume.
- Tannenborkenkäfer, etwa der Krummzähnige Tannenborkenkäfer, befallen geschwächte, trockengestresste Bäume.
- Tannenmistel (Viscum album subsp. abietis) parasitiert in den Kronen älterer Tannen.
- Tannenkrebs (Weißtannen-Hexenbesenrost) verursacht Hexenbesen und Krebsbeulen an Ästen und Stämmen.
- Wildverbiss ist im Wald und in waldnahen Gärten der Hauptfeind junger Tannen; Zäune oder Einzelschutz helfen.
- Wurzelfäulen treten auf schweren, staunassen Böden auf.
Wissenswertes
- Die Weißtanne zählte zu den höchsten Bäumen Mitteleuropas. Historische Aufzeichnungen aus Urwäldern nennen Exemplare über 50 m Höhe mit Hunderten Kubikmetern Holz in einem Stamm.
- Tannensämlinge können im Schatten des Mutterbestands über hundert Jahre als kleine Bäumchen „warten“, bis sie ihre Chance bekommen.
- Eichhörnchen und Fichtenkreuzschnäbel suchen und zerlegen Tannenzapfen, doch die Schuppen fallen nach und nach, sodass unter dem Baum nur einzelne Schuppen und Samen liegen.
- Tannen sind empfindliche Bioindikatoren für Luftreinheit; ihre Rückkehr in die Wälder nach 1990 ist einer der sichtbaren Erfolge der Rauchgasentschwefelung von Kraftwerken.
Fazit
Die Tanne ist eine Gattung von rund fünfzig Nadelbaumarten, die über die gesamte Nordhalbkugel verbreitet sind. Von der Fichte unterscheidet man sie sicher an den flachen Nadeln mit weißen Streifen, den glatten Narben an den Zweigen und den aufrechten Zapfen, die am Baum zerfallen. Die einzige heimische Art Tschechiens, die Weißtanne, ist eine schattenverträgliche, tief wurzelnde Baumart, die Mischwälder stabilisiert und den Boden verbessert. Wenn Sie weitere Arten interessieren, werfen Sie einen Blick auf unsere Übersicht der Nadelbäume oder den Artikel über Kiefern.
Häufige Fragen
Wie unterscheidet man Tanne und Fichte?
Die Tanne hat flache, nicht stechende Nadeln mit zwei weißen Streifen auf der Unterseite; am Zweig hinterlassen sie eine glatte, runde Narbe. Ihre Zapfen stehen aufrecht und zerfallen am Baum, während Fichtenzapfen hängen und ganz abfallen.
Welche Tanne ist in Tschechien heimisch?
Heimisch ist nur die Weißtanne (Abies alba). Andere Arten wie Küstentanne, Coloradotanne oder Nordmanntanne wurden von Förstern und Gärtnern eingeführt.
Warum findet man unter Tannen keine ganzen Zapfen?
Tannenzapfen zerfallen nach der Reife im Herbst direkt am Ast. Die Schuppen mit den Samen fallen nach und nach ab, am Baum bleibt nur die kahle Spindel.
Warum ist die Tanne in tschechischen Wäldern so selten geworden?
Hauptursachen waren Kahlschlagwirtschaft mit Fichtenmonokulturen, Wildverbiss und Luftverschmutzung durch Schwefeldioxid. Ihr Anteil sank von ursprünglich etwa 20 % auf rund 1 %.
Welche Tanne eignet sich für einen kleinen Garten?
Am besten die Koreatanne: Sie wächst langsam, wird meist 5–10 m hoch und trägt schon jung dekorative violette Zapfen. Für Steingärten eignen sich auch Zwergsorten.
Ist die Tanne geschützt?
Die Weißtanne ist keine gesetzlich geschützte Art, wird aber von Förstern gezielt gefördert und als wichtiger Bestandteil widerstandsfähiger Mischwälder gepflanzt.


