# Linde (Tilia): Nationalbaum Tschechiens, Arten, Bestimmung und Pflege

*Tilia*

> Source: https://www.stromyvcr.cz/de/linde-tilia/ · Author: Tomáš Rohlena · Updated: 2026-10-30

Die Linde (Tilia) ist ein mächtiger Laubbaum mit asymmetrisch herzförmigen Blättern und duftenden Blüten – und der Nationalbaum der Tschechischen Republik. Heimisch sind dort zwei Arten: Winterlinde und Sommerlinde.

**Die Linde (Tilia)** ist eine Gattung sommergrüner Laubbäume mit asymmetrisch herzförmigen Blättern, duftenden, nektarreichen Blüten und kleinen Nüsschen an einem flügelartigen Hochblatt. In der Tschechischen Republik sind zwei Arten heimisch, die **Winterlinde** und die **Sommerlinde**; seit dem 19. Jahrhundert gilt die Linde als Symbol des tschechischen Volkes und als Nationalbaum. Sie gehört zu den langlebigsten Bäumen der Landschaft und zu den wertvollsten Nektarquellen für Bienen.

## Die Linde im Überblick

| Wissenschaftlicher Name | Tilia L. |
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| Familie | Malvengewächse (Malvaceae), Unterfamilie Tilioideae; in älteren Systemen eigene Familie der Lindengewächse (Tiliaceae) |
| Artenzahl | etwa 25–40 Arten in der gemäßigten Zone der Nordhalbkugel |
| Höhe | Winterlinde meist 20–30 m, Sommerlinde bis 35–40 m |
| Alter | üblicherweise 300–500 Jahre, ausnahmsweise über 800 Jahre |
| Blätter | wechselständig, lang gestielt, asymmetrisch herzförmig, am Rand gesägt |
| Blütezeit | Juni bis Juli (Sommerlinde etwa 10–14 Tage früher als Winterlinde) |
| Frucht | kugeliges Nüsschen, Fruchtstand mit häutigem Hochblatt verwachsen |
| Vorkommen in Tschechien | Laub- und Mischwälder, Schluchtwälder, Alleen, Dorfplätze, Parks; vom Tiefland bis ins Vorgebirge |
| Schutzstatus | Arten nicht gesetzlich geschützt; viele alte Linden sind als Naturdenkmäler ausgewiesen |

## So erkennt man die Linde

Die Linde hat meist eine **hoch gewölbte, dichte und regelmäßige Krone**, die bei freistehenden Bäumen an ein Ei oder eine breite Kuppel erinnert. Der Stamm alter Exemplare ist mächtig, oft hohl und am Fuß mit Stockausschlägen bewachsen. Die Borke ist grau bis graubraun, zunächst glatt, später flach längsrissig mit feinem Netzmuster.

Das zuverlässigste Merkmal ist das **Blatt**: herzförmig, am Grund asymmetrisch, mit kurz zugespitzter Spitze und gesägtem Rand, an einem langen Stiel. Die Winterknospen sind eiförmig, glänzend, grünrot bis dunkelrot und nur von zwei bis drei sichtbaren Schuppen bedeckt – so lässt sich die Linde im Winter etwa von der [Buche](https://www.stromyvcr.cz/de/buche-fagus/) mit ihren langen, spindelförmigen Knospen unterscheiden.

Die Blüten sind klein, gelblich weiß, zwittrig und duften intensiv. Sie stehen in Trugdolden, deren Stiel etwa bis zur Hälfte mit einem zungenförmigen, hellgrünen **Hochblatt** verwachsen ist. Dieses dient nach der Reife als Flügel und hilft dem Wind, die Früchte – **Nüsschen** – Dutzende Meter weit vom Baum zu tragen.

## Linden in der Tschechischen Republik

### Winterlinde (Tilia cordata)

Die häufigste Linde in Wäldern und Alleen, auch Kleinblättrige Linde genannt. Die Blätter sind kleiner, etwa 3–8 cm, unterseits blaugrün und kahl, nur in den Aderwinkeln mit **rostbraunen Haarbüscheln**. Ein Blütenstand trägt 5–11 Blüten, die schräg nach oben oder seitlich abstehen. Das Nüsschen ist klein, dünnschalig, ohne deutliche Rippen und lässt sich leicht mit den Fingern zerdrücken. Blütezeit von Ende Juni bis Mitte Juli. Das Verbreitungsgebiet reicht von den Pyrenäen und Großbritannien durch ganz Europa bis jenseits des Urals.

### Sommerlinde (Tilia platyphyllos)

Sie hat größere Blätter, meist 6–12 cm, unterseits grün und weich behaart, in den Aderwinkeln mit **weißlichen Haarbüscheln**. Die jungen Triebe sind oft flaumig. Ein Blütenstand trägt nur 2–5 größere, hängende Blüten. Das Nüsschen ist holzig, hart, mit 4–5 deutlichen Längsrippen und lässt sich nicht mit den Fingern zerdrücken. Sie blüht etwa ab Mitte Juni und damit als erste unserer Linden. Sie stellt höhere Ansprüche an Nährstoffe und Feuchtigkeit und wächst typischerweise an Hängen, in Schluchten und auf kalkhaltigem Untergrund Mittel- und Südeuropas.

### Holländische Linde (Tilia × europaea)

Eine Hybride der beiden heimischen Arten, die auch spontan in der Natur entsteht. Ihre Merkmale sind intermediär – mittelgroße Blätter, unterseits fast kahl mit weißlichen bis bräunlichen Büscheln, und schwach gerippte Nüsschen. Dank ihres üppigen Wuchses wurde sie häufig in Alleen und Parks gepflanzt, oft als Sorte 'Pallida'. Typisch sind zahlreiche Stammaustriebe.

### Nicht heimische Linden in Parks und Gärten

- **Silberlinde (Tilia tomentosa)** – aus Südosteuropa, Blattunterseite dicht weißfilzig, blüht als letzte (Juli bis August). Verträgt Trockenheit und Stadtklima gut. Unter blühenden Bäumen findet man mitunter tote Hummeln; nach heutigem Kenntnisstand liegt das eher an Nektarmangel im Spätsommer und Erschöpfung der Insekten als an giftigem Nektar.
- **Krimlinde (Tilia × euchlora)** – mit glänzend dunkelgrünen Blättern, als Straßenbaum beliebt, weil sie seltener von Blattläusen befallen wird.
- **Amerikanische Linde (Tilia americana)** – mit besonders großen Blättern bis 20 cm, in Nordamerika als Basswood bekannt.
- **Hängende Silberlinde (Tilia tomentosa 'Petiolaris')** – hängende Sorte der Silberlinde mit langen Blattstielen.

| Merkmal | Winterlinde | Sommerlinde |
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| Blattgröße | 3–8 cm | 6–12 cm |
| Blattunterseite | blaugrün, kahl, rostbraune Büschel | grün, behaart, weißliche Büschel |
| Blüten je Blütenstand | 5–11 | 2–5 |
| Nüsschen | dünnschalig, ohne Rippen | hart, mit 4–5 Rippen |
| Blühbeginn | Ende Juni | Mitte Juni |

## Standorte und Ökologie der Linden

In den natürlichen Wäldern Tschechiens sind Linden keine dominierenden Baumarten, aber eine wichtige Beimischung. Die **Winterlinde** wächst in Eichen-Hainbuchenwäldern, Auwäldern am Rand der Talauen und in wärmeliebenden Eichenwäldern, vom Tiefland bis etwa 800–1000 m ü. M. Die **Sommerlinde** ist typisch für **Hangschutt- und Schluchtwälder**, wo sie zusammen mit Berg-[Ahorn](https://www.stromyvcr.cz/de/ahorn-acer/), Berg-[Ulme](https://www.stromyvcr.cz/de/ulme-ulmus/) und Esche wächst; häufig ist sie etwa im Böhmischen Karst, im Böhmischen Mittelgebirge oder in den Flusscanyons Mährens.

Linden sind vor allem in der Jugend recht schattenverträglich und bilden ein **tiefes Herzwurzelsystem**, wodurch sie Hänge gut befestigen. Ihr Laub zersetzt sich schnell und reichert den Boden mit Nährstoffen an, weshalb sie als bodenverbessernde Gehölze gelten. Sie schlagen hervorragend aus dem Stock aus und wurden daher früher im Niederwald bewirtschaftet.

Für Insekten ist die Linde eine der wichtigsten Sommertrachten: Bei günstigem Wetter liefert sie reichlich Nektar, und **Lindenhonig** ist ein geschätzter Sortenhonig. Auf den Blättern leben zahlreiche Wirbellose, von Blattläusen über Eulenfalterraupen bis zu Gallmilben. Am Stammfuß sonnen sich oft in Scharen **Feuerwanzen**, harmlose Wanzen, die sich von heruntergefallenen Samen ernähren.

## Holz und Nutzung der Linde

Lindenholz ist **hell, gelblich weiß, weich und leicht** (Dichte etwa 500–550 kg/m³) und hat eine feine, gleichmäßige Struktur. Es lässt sich leicht bearbeiten und reißt kaum, weshalb es seit jeher das wichtigste Material der **Holzschnitzer** ist: Aus Linde sind gotische Madonnen und Altäre, Krippen, Marionetten und Volksspielzeug geschnitzt. Außerdem dient es zur Herstellung von Musikinstrumenten (Korpusse von E-Gitarren, Orgelteile), Zeichenkohle, Bleistiften, Furnieren, Sperrholz, Reißbrettern und mechanisch wenig beanspruchten Möbelteilen. Im Freien fault es ungeschützt rasch und eignet sich daher nicht als Bauholz.

Große Bedeutung hatte der **Bast** – die feste, faserige innere Rinde. Daraus flocht man Seile, Matten, Körbe und sogar Schuhe (Bastschuhe). **Lindenblüten** (Tiliae flos) werden zu Beginn der Blüte samt Hochblatt gesammelt und im Schatten getrocknet. Der Tee wirkt **schweißtreibend** und beruhigend und wird traditionell bei Erkältung, Fieber und Husten getrunken. Sammeln sollte man nur von heimischen Arten und von Bäumen abseits stark befahrener Straßen.

## Die Linde im Garten

### Pflanzung und Standort

Die Linde ist ein Baum für **große Gärten, Parks, Dorfplätze und Alleen**. Bedenken Sie, dass die ausgewachsene Krone 15–20 m Durchmesser erreicht; pflanzen Sie den Baum daher mindestens 10 m vom Haus entfernt. Gepflanzt wird im Herbst nach dem Laubfall oder im zeitigen Frühjahr, am besten wurzelnackte Jungpflanzen oder Ballenware. Geeignet ist ein sonniger bis halbschattiger Platz; die Winterlinde verträgt auch Schatten.

### Boden und Pflege

- **Boden:** tiefgründig, nährstoffreich, frisch, neutral bis leicht kalkhaltig. Die Sommerlinde ist anspruchsvoller, die Winterlinde toleranter.
- **Gießen:** regelmäßig in den ersten 3–5 Jahren nach der Pflanzung; ältere Bäume sind recht robust, längere Dürreperioden führen in den letzten Jahren jedoch zu vorzeitigem Braunwerden und Laubfall.
- **Schnitt:** Die Linde verträgt Formschnitt gut und lässt sich als Schnitthecke, Spalier oder Formlinde mit Kandelaberkrone ziehen. Der Erziehungsschnitt erfolgt in der Jugend, Stammaustriebe entfernt man laufend.
- **Sorten für kleinere Flächen:** Winterlinde 'Greenspire' oder 'Rancho' mit schmalerer Krone, alternativ die Krimlinde.

### Schädlinge und Krankheiten

Das häufigste Problem sind **Blattläuse**, deren klebriger **Honigtau** auf Autos und Bänke tropft und von Rußtaupilzen besiedelt wird. Bei heißem Wetter befällt die **Lindenspinnmilbe** die Blätter, die sich bronzefarben verfärben und früh abfallen. Auffällig sind die roten, hornförmigen Gallen der Lindengallmilbe, die dem Baum jedoch nicht schaden. An Krankheiten treten Blattfleckenkrankheiten auf, bei geschwächten Bäumen auch Stammfäulen durch holzzersetzende Pilze. Alte hohle Linden sind oft erstaunlich standfest, sollten aber regelmäßig von einem Baumpfleger kontrolliert werden.

## Wissenswertes und kulturelle Bedeutung

Die Linde war ein heiliger Baum der Slawen und der Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit geweiht. Sie wuchs an Quellen, auf Dorfplätzen und bei Kirchen; unter ihrer Krone wurden Gericht, Versammlungen und Feste abgehalten. Zum **Nationalbaum** erklärte sie symbolisch der **Slawenkongress in Prag im Jahr 1848**. Nach der Gründung der Tschechoslowakei 1918 wurden im ganzen Land **Freiheitslinden** gepflanzt; die Tradition wiederholte sich nach 1945, 1968 und 1989.

Lindenzweige zieren die **Standarte des Staatspräsidenten**, Lindenblätter erschienen auf Orden, Münzen und Banknoten. Zahlreiche Ortsnamen leiten sich von der Linde ab – Lipník, Lipno, Lipová, Česká Lípa oder Leipzig (aus dem sorbischen Lipsk). In Tschechien gibt es Hunderte als Naturdenkmal geschützte Linden, manche mit über 10 m Stammumfang und einem geschätzten Alter von 600–800 Jahren; sie zählen zu den ältesten lebenden Bäumen des Landes.

Weitere heimische Laubbäume und ihren Vergleich mit der Linde finden Sie in unserer Übersicht der [Laubbäume](https://www.stromyvcr.cz/de/laubbaeume/).

## Fazit

Die Linde ist ein langlebiger Laubbaum aus der Familie der Malvengewächse, in Tschechien vertreten durch Winter- und Sommerlinde sowie deren Hybride, die Holländische Linde. Unterscheiden lassen sie sich an Größe und Unterseite der Blätter, der Farbe der Haarbüschel in den Aderwinkeln, der Blütenzahl und der Härte der Nüsschen. Sie ist wertvoll für Bienen, Holzschnitzer und die Volksmedizin und gehört als Nationalbaum fest zur tschechischen Landschaft, zu Dorfplätzen und Alleen.

## Häufige Fragen

**Wie unterscheide ich Winterlinde und Sommerlinde?**

Die Winterlinde hat kleinere Blätter mit blaugrüner, kahler Unterseite und rostbraunen Haarbüscheln in den Aderwinkeln, die Sommerlinde größere Blätter mit behaarter Unterseite und weißlichen Büscheln. Zuverlässig sind auch die Nüsschen: Bei der Winterlinde lassen sie sich leicht zerdrücken, bei der Sommerlinde sind sie hart und gerippt.

**Wann blüht die Linde und wann sammelt man Lindenblüten?**

Die Sommerlinde blüht ab Mitte Juni, die Winterlinde von Ende Juni bis Mitte Juli. Die Blüten werden samt Hochblatt zu Beginn der Blüte bei trockenem Wetter gesammelt und im Schatten getrocknet.

**Warum ist die Linde der Nationalbaum Tschechiens?**

Die Linde war ein heiliger Baum der Slawen und ein Symbol der Gemeinschaft. Der Slawenkongress in Prag erklärte sie 1848 symbolisch zum Nationalbaum; Lindenzweige zieren auch die Standarte des Staatspräsidenten.

**Wie alt kann eine Linde werden?**

Linden werden üblicherweise 300 bis 500 Jahre alt, außergewöhnliche Baumdenkmäler in Tschechien haben ein geschätztes Alter von 600 bis 800 Jahren. Damit gehören sie zu den langlebigsten Laubbäumen.

**Zu welcher Familie gehört die Linde?**

Nach dem aktuellen System APG IV gehört die Linde zu den Malvengewächsen (Malvaceae), Unterfamilie Tilioideae. Ältere Literatur ordnet sie der eigenen Familie der Lindengewächse (Tiliaceae) zu.

**Warum tropft von der Linde eine klebrige Flüssigkeit?**

Es handelt sich um Honigtau, eine süße Ausscheidung von Blattläusen, die an den Blättern saugen. Dem Baum schadet er kaum, verschmutzt aber alles unter der Krone und wird von Rußtaupilzen besiedelt.
